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07.07.2005 : Press Info


Album: DECADENCE & ISOLATION [VÖ: 29. AUGUST 2005]

© Motor Music 2005

The silence is always loud, and we love it, and we love it!

Das ist einer der komischsten, paradoxesten Sprüche, die man in Platten-Infozetteln manchmal lesen kann: Er ist zurück, obwohl er eigentlich nie weg war. Gibt es das? Ja, das gibt es, und oft kann man es nicht besser sagen: PHILLIP BOA ist wieder da, obwohl er natürlich nicht im Traum je daran gedacht hat, ganz zu verschwinden.

 

BOA hat seinen VOODOOCLUB dabei, er teilt sich das Mikro wieder mit der unvergleichlichen PIA LUND, und "DECADENCE & ISOLATION" ist sein Comeback-Album für Motor Music. Derart grosse Dinge haben sich schon angekündigt, als Anfang des Jahres beim eng befreundeten Label L’Age D’Or in Hamburg (dessen hauseigener Musikverlag seit einiger Zeit die Heimat des Songschreibers BOA ist) die EP "20 YEARS OF INDIE CULT" herauskam, auf der BOA ausnahmsweise mal einen Blick zurück warf. Auf 20 Jahre, von denen die letzten zehn teilweise eine einsame Odysseus-Fahrt gewesen waren. Aber Schluss damit. "DECADENCE & ISOLATION" ist der lange Finger, der in die Zukunft zeigt.

© Motor Music 2005

Man muss das mal so hart sagen: Sehr vielen Menschen wäre es lieb, wenn BOA endlich das Maul halten und sich mit Krone und Szepter auf seinen Thron verkrümeln würde. Was vor allem daran liegt, dass PHILLIP BOA denen, die ihn irgendwann zum German Lord of Indie gekürt haben, so beharrlich die Dankbarkeit verweigert hat. Und wer jetzt glaubt, dass sich mit dem neuen, insgesamt 14. Studioalbum irgendein Kreis schließt, dass BOA zu seinen Wurzeln zurückkommt oder so ähnlich, der darf das gern glauben. Obwohl es Quatsch ist. BOA tut so was nicht.

 
© Motor Music 2005

Das mit Motor Music ist eine ganz andere Geschichte – wenn es nicht so pathetisch klingen würde, könnte man es eine Schicksalsgemeinschaft nennen. Nach 12 Jahren unter dem Universal-Dach hatte BOA ja Ende der Neunziger seinen Voodooclub zusammengepackt und war auf Forschungsreise gegangen, am Ende war er heimatlos. Als im September 2004 das Motor-Label (mittlerweile bekanntlich selbst ein Indie) im Berliner Palast der Republik seine 10-Jahres-Feier gab, da durfte BOA als einer der definierenden Geister nicht fehlen. Er kam und, etwas übertrieben gesagt, blieb gleich da.

 

PIA LUND, die lakonischste Sängerinnen-Gestalt, mit der der deutsche Rock’n’Roll je gesegnet war, hatte bei der Vorgängerplatte "C90" vom Herbst 2003 schon vereinzelt mitgesungen – perfekt und abgemacht ist die scheinbar aussichtslos herbeigesehnte Reunion erst jetzt. "Am besten werden meine Songs immer, wenn ich mich im Studio mit Pia über sie streite", soll BOA bei der Produktion des neuen Albums gesagt haben, und Boaphenisten verstehen genau, wie er das meint: dass diese zwei mit ihrem unglaublichen Kerl-Girl-Unisono-Gesang immer so klingen, als sei nach dem großen Blitzkrach gerade erst der fragile Friede eingekehrt. Überhaupt, es ist ein freundlicher, fast sehnsüchtiger BOA, den wir hier hören. Bis zum nächsten Konzert muss sich das Publikum wohl oder übel selbst beschimpfen.

Aufgenommen wurde wie so oft in David Vellas Temple Studio in PHILLIP BOA’s Nachbarschaft auf Malta. Dass es eine Gitarren-Platte mit verhältnismäßig wenig Elektronik werden würde, gründete schon in der frühen Entscheidung, BOAs aktuelle Tour-Band ins Studio mitzunehmen – ausschlaggebend für den Sound sind allerdings die zwei grossen Produzenten, die dieses Mal mit BOA arbeiteten: Swen Meyer und Gordon Raphael. Bedeutsam. Meyer hat mit seiner Arbeit für die "Grand Hotel Van Cleef" - Bands Tomte und Kettcar ganz erheblich daran mitgedreht, wie zeitgemäßer, mittlerweile auch kommerziell ernstzunehmender deutscher Gitarren-Pop heute klingt. Und Raphael, gebürtiger New Yorker, verantwortet als Produzent der zwei The Strokes - Alben nichts anderes als die letzte spektakuläre Welt-Rock’n’Roll-Explosion. Was PHILLIP BOA im Jahr 2005 will? Müsste spätestens jetzt klar sein.

Von den hallenden Groß-Arrangements und den aggressiv züngelnden Drachen-Türmen der Voodoocult - Zeit hat er sich in den letzten Jahren schon nach und nach entfernt. Transparenter, trockener, präzise schneidender als hier hat man die Gitarren bei BOA trotzdem noch nie gehört. Mit Garagen-Rock hat das wenig zu tun – das sind höchstens noch die Schatten an der Garagenwand, mit dem Projektor auf neue Architektur geworfen und vom Meister höchstpersönlich bunt gemalt. Mit aller Wut und Stinkigkeit, die man von ihm kennt und für die er noch immer die besten Gründe der Welt hat. Mit elegant melodischer Bildführung, über Brüche und Spalten hinweg. Die Kante im Karamell, die man sich zurechtlutschen muss, und das dürfen die Hörer gerne selbst tun, da hat er nichts dagegen. Zu "And When The Magic Fades" kann man sogar Disco tanzen!

Und weil PHILLIP BOA auch im Zustand akuter Jetztzeitigkeit weiß, was er alles hinter sich hat und gewissermaßen aufs Spiel setzt, singt er mit PIA LUND dieses wunderbare, an die Embleme auf guten Whiskey-Flaschen erinnernde Lied: "Making Noise Since ’85": "The silence is always loud, and we love it, and we love it!" Selbst wenn er an anderer Stelle auf dieser Platte behauptet, sich wie der späte Oscar Wilde zu fühlen: Hier scheint BOA kindlichen Spaß am ewig getrommelten, lebensspendenden Krach zu haben. Haben wir das nicht alle? So richtig zeigen kann das nur er. Lasst ihn um Gottes Willen weitermachen.

TRACKLISTING:
01. Have You Ever Been Afraid
02. Decadence And Isolation
03. Making Noise Since 85
04. Burn All The Flags
05. The People I Saw Were No Angels
06. The Songs Of Life 1,2,3,4
07. 2 White Moths And A Black Cat
08. 21 Years Of Insomnia
09. And When The Magic Fades
10. God´s Train
11. Intrigue And Romance

HOME/OFFICIAL:
www.phillipboa.com
www.motor.de

DOWNLOAD:
» DECADENCE & ISOLATION (PDF) [79 KB]

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