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Phillip Boa Fan Interview

Phillip Boa Fan Interview

Hamburg, Winter 2009

Part 4

Wie hat Phillip damals die Situation um das Gift-Album von Pia bewertet? Konnte er nicht irgendwie einschreiten, dass es doch irgendwie über ein anderes Label veröffentlicht wird - und was hält er persönlich von den Songs?
Ich weiss nicht genau, welches der Alben Gift ist/war. Ich fand beide Alben gut, habe z. T. mitgeschrieben, optimiert und kann mich daran erinnern, daß die Plattenfirma (Warner/East West), insbesondere Markus Hartmann, extrem viel investiert hatten. Markus wollte Pia populärer machen als den Voodooclub, warum auch nicht. Als dieses erste Album nicht gut verkauft hatte, ging urplötzlich die ganze Motivation bei Markus und der Firma verloren; alles danach waren verzweifelte, teilweise zweifelhafte, Versuche, das Boot vor dem Untergang zu bewahren. Ist dieses 2. Album eigentlich überhaupt irgendwo erhältlich? Ich könnte es als Download bei iTunes, Musicload etc. platzieren, denn ich glaube, ich halte die Rechte an diesem Album.

Wenn sie ihm mal irgendwann zu schwer werden sollte - wäre Boa dann bereit seine Seele zu verkaufen indem er Jury-Mitglied einer Casting-Show wird?
Wie die Helden in Dr. Faustus und Faust etc. werde ich meine Seele an den Jungle o. ä. verkaufen, um noch einmal so erfolgreich sein zu können wie in den frühen 90ern!?
Haha - ihr kennt mich besser.

Welches ist dein Lieblingvideo vom Voodooclub?
Keine Ahnung, die beiden alten Compilation Videos mit Live/Backstage/Reisematerial. Eines erschien früher bei Jetti Soundz in den späten Achtzigern, eines etwas später und hieß ... ???

Gibt es noch Kontakt mit ehemaligen Voodooclub Mitgliedern? Was machen Taif Ball, Ted Chau oder Chris van Helsing?
Das waren gute Leute aber das ist lange her und zu jedem gibt es eine spezielle Geschichte. Rückbetrachtet waren das ehrenwerte Voodooclub-Mitglieder, die sich aber wohl irgendwie mal mit mir zerstritten hatten. Taif war ein guter Freund, er war wohl der beste Bassist, den ich je hatte; er spielt in Bands in Wales. Chris ist damals freiwillig ausgestiegen weil er in der Band von Jürgen Engler (Die Krupps) spielen wollte. Ted Chau war technisch der zweitbeste Gitarrist, den der Voodooclub je hatte. Er hatte sein Talent allerdings zu sehr in den Vordergrund gestellt - für mich zählte schon immer mehr das Ganze, der Song, der Sound, die Performance an sich. Der technisch beste Voodooclub-Gitarrist ist Oli. Bislang stellt Oli sein Talent nicht zur Schau, sondern integriert sich in das Gesamte.

Ich war bei Deinem geilen "Privatkonzert" in der verbotenen Stadt. Du meintest damals, dass es das zweitkrasseste Konzert Deiner Karriere gewesen wäre. Welches Konzert war denn bitteschön noch krasser?
Oh - da gab es einige; ich wünschte, ich könnte mich erinnern. Zu Beginn unserer "Karriere" passierte es öfters mal, dass nicht sehr viele Zuschauer kamen; heute erscheinen - Gott sei Dank - immer eine einigermaßene Anzahl von Zuschauern, selbst in Städten wie z. B. Augsburg war es ok. Das ist das, was mich antreibt: Egal, wo wir spielen in diesen Jahren: es sieht nie leer aus. Sollte sich das ändern, wäre das ein sofortiger Grund den Voodooclub aufzulösen - total, einschließlich meiner selbst. Es ist durchaus okay ein Künstler ohne Publikum zu sein, jedoch nicht für jemanden wie mich, der immer mit einem Dutzend Leuten (Band & Crew) auf Tour geht. Ich würde nie Crew, Band, Transport, Hotels, etc. rationalisieren wollen, um weitermachen zu können. Es muss immer den Standard der späten 90er haben, ansonsten hätte ich keine glücklichen Menschen auf Tour und wir alle hätten keinen Spaß mehr. Wer Phillip Boa and the Voodooclub sehen will, der zahlt 25 bis 30 Euro dafür, was ich für angemessen erachte, und bekommt die letzten Menschen Deutschlands, die nicht bestechlich sind, die Idealisten sind, die lieb-chaotisch, authentisch und einmalig sind und eigentlich gar nicht mehr in diese Welt passen. Es sind diese 10 oder 12 Menschen die nach der Apokalypse, wenn die Gier und die Verlogenheit (von links bis rechts) alles zerstört hat, da wären und liebevoll alles wieder aufbauen würden, ohne nur an sich selbst zu denken. Das ist der Voodooclub und das ist "Kill your Ideals"!

Wie sieht Boa seine Rolle innerhalb der deutschen Musikszene und warum tut er sich es überhaupt noch an, in kultur-korrupten www.billiger-und-geiz-ist-geil.de Zeiten weiter Musik zu schaffen und zu verkaufen? Welche Relevanz hat der Künstler Boa im Jahre 2009 (2010) somit überhaupt noch, warum macht er noch Musik?
Gute Frage. Gehässige Journalisten haben mir die immer wieder gestellt. Warum auch nicht. Ich stelle mir diese Frage jeden Tag und suche mir Antworten wie diese: Es ist mein verdammter Job, meine Mission. Ich kann immer noch davon leben, man glaubt es kaum, aber ja. Es ist der beste Job der Welt und ich bin süchtig nach ihm. Der Voodooclub macht seine Arbeit ehrlich. Der Voodooclub schreibt Songs, OHNE die Manipulation von Managern und Plattenfirmen. OHNE sich von Sponsoren, Werbefirmen, Industrie unterstützen (und manipulieren) zu lassen. Eine neue Voodooclub-Platte kommt ohne Werbung auf den Markt; ohne die Hilfe der Medien. Alle anderen Künstler in diesem Land verkaufen sich: Erst vor einigen Tagen sah ich einen der letzten authentischen Künstler in einer ARD Abendsendung, die mit dieser albernen, immer gut drauf seienden blonden Frau; dort ist nun dieser Künstler und versucht also auf diese Weise, sich und sein Produkt anzupreisen. Uaaaaahhh, no way! Klar - als ich jung war, haben wir das auch ein paar mal versucht - auf Druck von Polydor. Nur: Das ging immer in die Hose, so dass jede TV-Sendung uns von da an gemieden hat wie die Schweinegrippe: Bingo! Alle anständigen Künstler um mich herum verkaufen und verdecken sich. Der Voodooclub verkauft seine Arbeit FREI und authentisch, ohne Hilfe der Blöden. Und genau so wird er auch untergehen:

Langsam und stolz und ich als Kapitän werde Euch zuwinken ... !