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Faust Hannover
by Thomas M. Ruthemann
Faust, Hannover 14.10.2004
Es ist wieder die Zeit für diesen Mann. Phillip Boa, die Ikone des deutschen Independent der Achtziger, ist erneut angekommen. Im Hier, im Jetzt. Seine wilde, überschlagende, ja, manchmal aggressive Musik brennt sich erneut tief ein und zuckt durch die Körper der Fans. Wüst rasselnde Gitarren, voodoohafte, mächtige Trommelklänge und schrill hinein sprenkelnde Synthezisertöne ergeben ein Konglomerat kapitaler Sounds, das sich gewaschen hat. Es hilft natürlich, dass Boa noch immer so finster gucken kann wie bei seinem ersten Hannover-Gig 1986 im legendären Kröpcke-Klub Soxs, als er sich noch im Fernsehen-aus-dem-Hotelfenster-schmeissen übte. Doch eine gewisse Altersmilde scheint mittlerweile eingetreten zu sein, nachdem ihm die Menschen im prall gefüllten Faust die dritte Zugabe abnötigen, stiehlt sich eine satte Zufriedenheit über sein Gesicht, kann selbst Ex- und Neupartnerin Pia Lund ihre Mundwinkel nicht mehr ganz unten halten. Ihre Gesangsparts und Chorqualitäten schaffen aber trotz Leichenmiene auch eine Menge positive Energie für den knackigen Gesamtsound des Voodooclub. Das Ganze hat Stil, hat viel Kraft, donnert dramatisch mit gewaltigen Tonstürmen über die Fans, die natürlich ein paar alte Hits hören wollen, aber auch Stücke des aktuellen Albums „C90“ sehr wohl zu goutieren wissen. Phillip Boa und sein Voodooclub können erneut nach vorne blicken, Substanz und Power stimmen, nichts klingt nostalgisch sondern durchweg frisch, hat Biss und macht damit jungen Indie-Bands durchaus schwer Konkurrenz!
