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Exhaus Trier
by Christian Jöricke
Exhaus Trier, 30.07.2004
Phillip Boa auf der Sommerbühne - Bleibt alles anders
Der »Lord Garbage« machte auf seiner »C90«-Tour Station in Trier: Auf der Sommerbühne im Exhaus liefert Phillip Boa einen richtig sympathischen Auftritt und überrascht damit Zuschauer und Medien.
Phillip Boa hat ein Imageproblem. In zweierlei Hinsicht. Zum einen tauchte er in den vergangenen Jahren weder mit überzeugenden Plattenkritiken noch mit boaesken Aktionen in den Medien auf. Wie 1989, als er nach der Veröffentlichung von »Container Love« damit drohte, die Single bei einer Platzierung unter den Top 40 vom Markt zu nehmen (kam nur unter die ersten 75).
Auch wenn es begrüßenswert ist, dass Boa nicht jeden Scheiß mit macht, sich in den Medien »nicht prostituiert« (Boa über Boa), wirkt sich die Absenz in der Presse und den Musikkanälen nicht nur auf den Plattenabsatz aus, sondern auch auf die Zuschauerzahl bei den Konzerten. Zum anderen kommt dieser launenhafte, exzentrische Musiker, der nicht zufällig von den eigenen Fans »Arschloch« geschimpft wird (auch wenn inzwischen ein bisschen Ironie dabei ist), nach Trier, wo sich gerade einmal 300 Zuschauer eingefunden haben, und was macht er?
Er singt fast alle Klassiker (»Love on Sale«, »This is Michael«, »Fine Art in Silver«, »Kill your Ideals«, »I Dedicate my Soul to you«, »Diana« und besagtes »Container Love«), spielt ausgiebige Zugaben, unterhält sich im Anschluss auch noch freundlich mit einigen Besuchern, kurz und klein: Er liefert (auch dank der hinreißenden Pia Lund, die nach mehrjähriger Trennung erfreulicherweise wieder mit dabei ist) ein brillantes Konzert. Und anstatt die Lokalreporter mit Bier zu überschütten, gibt er ihnen Interviews. Nicht mal den Backstageraum hat er zerlegt. So wird man doch nicht dem Ruf als »Arschloch der Nation« gerecht.
Oder war das alles nur Show? Sollte dieser sympathische Auftritt uns alle foppen? War das nur ein Ablenkungsmanöver, bevor er demnächst wieder irgendwo ein Waschbecken aus der Wand reißt oder seine Band mit Küchenmessern bedroht? Verdammt, der Mann ist richtig gut.
Quelle:
www.hunderttausend.de
