AUSWAHL: HOME » LOUNGE » Berichte » Decadence & Isolation
Decadence & Isolation
by Dirk Heinen
Das verschollene Live-Album
Bis "My Private War" fand ich alles von Phillip Boa immer auf Anhieb geil! Seit "My Private War" stellte sich eine andere Boa-Strategie zum entdecken der Alben ein. Immer fand ich 3 - 4 Lieder sofort geil und der Rest puzzelte sich Stück für Stück zusammen. Es brauchte immer seine Zeit, um den Alben letztendlich dann doch ein gutes Zeugnis auszustellen. Mit den letzten drei Alben hatte sich also so eine Art Routine eingespielt. Routine? Das Wort mag Phillip Boa überhaupt nicht. Immer wieder hat es Phillip Boa geschafft, die Routine von seinen Alben fern zu halten. Selbst die beiden Voodoocult Alben hören sich völlig unterschiedlich an. Und mit dem Voodooclub hat er das nun schon zum 14. Mal geschafft. Wahnsinn!!! Ich musste meiner Boa-Strategie also Tribut zollen. Ich brauchte zwei Wochen, um das zu begreifen. Beim ersten anhören von D&I war ich sofort von fast allen Lieder beeindruckt. "Decadence & Isolation", "The songs of life 1, 2, 3, 4", "Burn all the flags" und "2 white moths and a black cat" bildeten die Höhepunkte. Vor allem freute ich mich, dass es ein kurzes Album ist. Ein Album sollte eigentlich nicht länger als 45 Minuten gehen. Das sind meistens die besten. Kurz und schmerzlos! Doch am zweiten Tag war ich überhaupt nicht mehr so begeistert. Ich stellte fest, dass man D&I gut als Hintergrundmusik missbrauchen kann. Was ich bei Phillip Boa noch nie wahrnehmen musste! Ein Boa-Album als Hintergrundmusik? Ich war etwas verwirrt und auch niedergeschlagen. Das ganze Album schrammelte sich von Lied 1 bis Lied 11 was zusammen, was ich bei Boa so noch nie erlebt habe. Ich hörte das Album erst mal zwei Tage nicht. Nur vereinzelte Songs. Ich unterhielt mich mit anderen Boa-Fans über D&I und stellte fest, dass andere das Album total geil fanden. Ich verstand die Welt nicht mehr... Wie gesagt, Songs von D&I hörte ich. Aber nie komplett als Album. Boa, Pia und auch der Band merkt man deutlich die Spielfreude an. Alles klasse! Aber die Gesamtheit von D&I fand ich bis dahin langweilig. Langeweile bei Phillip Boa? Melancholisch wurde ich bei dem Gedanken... Im Unterbewusstsein war die Sache allerdings schon längst erledigt. Was mir aber noch nicht klar war. Ich hörte nach einigen Tagen das Album noch mal bewusster.... und war total entsetzt als ich feststellte, dass 10 von 11 Liedern total geil sind. Ich war sogar überrascht das D&I schon nach 42 Minuten und 48 Sekunden durch war. Durch das vereinzelnde anhören der Songs hat sich D&I für mich am besten entwickelt. Nun hört sich D&I wie eine selbst gemachter "Best Of Sampler" an. Den man immer wieder gerne hört. Und am besten LAUT! D&I ist DAS perfekte Live-Album! Das ganze Album könnte man so wie es ist, 'Live' spielen. Phillip Boa rotzt in nur 43 Minuten ein Album hin, dass einem ein Leben lang Freude machen kann.
Life is wonderful trash!
