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She


She

She war seit Philister die erste Platte, die ausschließlich unter der Regie von Boa, unter Zuhilfenahme des Produzenten und Studioinhabers David Vella in Malta aufgenommen wurde. Mehr denn je saugte Boa aktuelle Trends auf, wie sie zu der Zeit in Clubs, im Radio und im TV zu hören waren. Im Mittelpunkt dieser Sounds stand fast immer ein tanzbarer Beat, Phillip unterlegte daraufhin den größten Teil des neuen Albums mit Computerdrums und -rhythmen. Professionelle Unterstützung hierfür holte er sich bei Marc Romboy und Claude Derichs vom Mönchengladbacher Avant-House-Label "Le Petit Prince".

Foto by Dirk Rudolph

Pia Lund & Phillip Boa

Einen anderen aktuellen Bezug als nur den musikalischen Klang schuf Boa sich durch Präsenz in einer Cyber-Telefonwelt und im Internet. War erstgenannteres noch eine Promoaktion der Plattenfirma (man wählte sich mit den MFWV-Tasten des Telefons durch Boas Welt auf Malta; Strand, Studio, Grotte, Archiv), so konnte man das Hamburger Konzert live am Computer verfolgen. Originalton und zahlreiche Bilder vom Aufbau bis zum Auftritt und sogar Einblicke in die Garderobe waren nicht nur etwas für Freaks. Gleichzeitig ging damals auch die Plattenfirma Motor Music mit einer Selbstdarstellung ihres Programmes ins Netz und sogar der Fanclub präsentiert sich seitdem und wirbt via Internet für neue Fanclubmitglieder.

 

Nach dem jähen Ende des Voodoocult hatte sich Boa für den Rest des Jahres '95 der "Suche nach dem perfekten Popsong" gewidmet. Modern sollte die Platte sein, schön und mit Tiefgang. Eine Mischung aus sterilen Sounds aus der Steckdose und romantischen Melodien von Pia. "Chromatic" sollte das Album zunächst heißen, später "Freudian". "Chromatic" klang zu "zeitgeistig", zu sehr nach Cyberspace und auch zu sehr nach Metalband. "Freudian" befand Boa als zu eindeutigen Fingerzeig auf die Rückkehr von seinem Voodoocult-Projekt, als sei er geläutert und wolle jedem zeigen, daß er wieder klare Gedanken fassen konnte.
She war für Phillip 1996 "das weibliche Prinzip". She zeigt Emotionen, ist die gefühlslastigste Platte bisher. Wichtig war ihm, ein schöngeistiges und atmosphärisches Werk zu schaffen, fern ab der doch sehr männlichen Musik auf den vorangegangenen zwei Voodoocult-Veröffentlichungen.
Deep In Velvet ist ein sehr romantischer, sehr persönlicher Song, eine Gratwanderung zwischen Trance und Realität. Diese erste Single-Auskopplung aus dem Oktober '95 gibt es auf Maxi-CD, sowie mit Remixen von Aphex Twin, Microwave Prince, LFO, Acid Jesus und Patrick Lindsey auf einer extra CD-Maxi beziehungsweise inklusive eines Locust-Mixes auf 12"-Vinyl . Für Sammler und Fans gab es außerdem eine limitierte Deep In Velvet -Maxi in einer blaugefärbten Box. Zwischen klaustrophobischen Lederwänden drehte die ebenfalls in kaltes, schwarzes Leder gewandete Band mit einer großen Echse im Mittelpunkt den dazugehörigen Videoclip unter der Regie von Frederic Boklund, dessen Firma Apollon schon Love On Sale, Fiesta, International Moskito, Atlantic Claire und Killer Patrol von Voodoocult verfilmt hatte.
Einige der Lieder auf She stammen komplett aus der Feder anderer Bandmitglieder, Pia komponierte Cosmic Eyes , bei den Songs Juliette Greco , Come Again In Spring (Bonustrack der zweiten Single Bells Of Sweetness im Februar '96) und Never Give Up Your Smile (Bonustrack der Deep In Velvet -Maxi) haben sich Pia und Moses die Arbeit aufgeteilt, Monk zeichnet für Das Blut von Wien verantwortlich, zum Text inspririerte Boa der Roman "Das Spinnennetz" von Joseph Roth, der in seinem Buch praktisch die Hitlerdiktatur vorausgesagt hatte.

Foto by Dirk Rudolph

Phillip Boa & the Voodooclub

When Love Get's Terminated , ein Song der im Mai, allerdings nur zu Promotionzwecken, als Maxi-CD ausgekoppelt wurde, handelt von Sekten, speziell von Scientology. Er befaßt sich mit dem Phänomen, wie Sekten einen Menschen zu guten wie zu bösen Zwecken manipulieren können. Bonustracks sind das inzwischen traditionelle Drum- und Baß-Solo der letzten Tour (Die Tränen des Inn ) und ein bislang nicht verwendeter Voodoocult-Titel namens Death Of A Kung-Fu Fighter ", dessen Text allerdings bereits im Voodoocult-Booklet abgedruckt worden war. Nach der Tour im Frühjahr '96 produzierte Boa außerdem auf Malta einen Remix der amerikanischen Band Collide, die Maxi "Skin" erschien kurz darauf im SPV-Vertrieb.

 

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