Ein neuer Anfang
Nach dem Best of Album Fine art on silver gehen Phillip und Pia im März ’97 auf gemeinsame Abschiedstournee. Die Tournee wird für Fans und Band sehr sentimental und ein voller Erfolg. Boa's Statement zur Abschiedstournee: "... ich hasse das Wort Abschiedstournee - ich kann mich nicht selbst auflösen, ich müsste mich umbringen. Das habe ich zur Zeit nicht vor!" Die einschlägige Presse - egal ob freundlich gesinnt oder nicht - hat die Trennung von Pia und Phillip dankbar aufgegriffen und kommentiert.
Im Sommer folgen noch einige Festivals und der Voodooclub spielt zum letzten Mal in dieser Form zusammen. Die Zukunft scheint rosig aber nur halbsichtbar: die neuen Songs kündigen Großes an und lassen einiges erhoffen. Boa ist besonders von Spin my blood sehr angetan. Die Magic sei wieder da, so sei, nein, so ist es!
Phillip geht auf Reisen um dem Kopf frei zu bekommen und neue Songs für sein Solodebutalbum zu schreiben. Die neuen Songs entstehen größtenteils in Italien und Frankreich. Stagnation ist das schlimmste, was einem Künstler passieren kann! Dieser Satz aus dem Rockmusiker-Lehrbuch muß auch Phillip Boa zu Ohren gekommen sein, ansonsten hätte er nach seiner äußerst erfolgreichen Best-Of-Tour 1997 niemals einen so radikalen Schritt gemacht. Er spürt die schleichende Uninspiriertheit, die sich seit She, seinem letzten Studio-Output, wie ein Virus in seinem Kopf auszubreiten droht.
Es war nun Zeit für einen Wechsel, wie er radikaler nicht hätte sein können, Phillip trennt sich von seinem Voodooclub und von seiner Sängerin Pia. Nicht wenige geben nun keinen Pfifferling mehr auf Boa, der Künstler selber aber bereitet zu dieser Zeit schon etwas großes vor: Lord Garbage!
Er stellt sich seiner größten musikalischen Herausforderung. Wer geglaubt hat, Boa könnte ohne Pias Stimme im Hinterkopf keine Songs schreiben, muß komplett umdenken. Die neuen Songs brauchen Boa, seine Stimme und sonst nichts! Wenn man so will, ist Lord Garbage die Wiedergeburt der Person Boa im Künstler Boa. Die Inspiration holte er sich auf seinen Reisen durch Italien und Frankreich. Er hat viel gelesen in der Zeit, besuchte regelmäßig Kunstaustellungen, kurz: er tut das, wofür er jahrelang keine Zeit hatte. Als Produzent kann Phillip den renomierten Remixer Gareth Jones (Nick Cave, Neubauten, Garbage, Depeche Mode u. a.) gewinnen. Die neuen Songs klingen eckig und kantig, poppig aber nicht aufgepeppt, stromlinienförmig, aber nicht schlüpfrig. Bester Beweis dafür ist die erste Singleauskopplung Kiss my soul (01/98). Das dazugehörende Video wurde im Dezember in London gedreht und erreicht kurze Zeit später die Heavy Rotation bei den deutschen Fernseh-Musiksendern. Als weitere Single wird später noch Love me like an Alien (08/98) ausgekoppelt, eine eher untypische Boa Single, die aber das ganze Spektrum vom neuen Phillip Boa darstellt.
Neben Gareth Jonas als Produzent haben am Album als Musiker mitgewirkt Chris van Helsing (Gitarre, Bass) Mathias Ulken (Bass), Achim Färber alias Monk (Drums, Percussion), Moses Pellberg (Percussion) und Toett (Keyboards, Programming, Samples, Percussion) sowie natürlich Phillip himself (Vocals, Bass, Gitarre, Keyboard). Weiterhin ist hier auch erstmals Alison Galea (von der maltesischen Band “Beangrowers“) als Backgroundsängerin zu hören, leider kaum hörbar und extrem in den Hintergrund gemischt, was sich aber beim nächsten Album grundlegend und entscheidend ändern sollte.
Die Frage, welche alle Fans beschäftigte war, wie Phillip ohne die Stimme von Pia klingen würde. Diese Stimme war über ein Jahrzent auch ein tragendes Element und Wiedererkennungszeichen in der Musik vom Voodooclub.
Auf den ersten Blick – besser auf das erste Hörerlebnis - wirkt das neue Album undurchdringlich und omnipräsent, es zerreißt dich in tausend Stücke, um dich sofort wieder zusammenzukitten, es zieht dich runter, nachdem es dich aufgebaut hat. Lord Garbage ist aber vor allem eines: es ist 100% Boa! Im Februar 1998 erscheint mit Lord Garbage das mit Spannung erwartete erste Soloalbum von Phillip Boa. Neben der regulären CD erscheint eine limited Edition CD (incl. Anstecknadel) sowie eine kleine limitierte Vinyl Auflage. Bereits traditionell folgen im März dann Live Konzerte im Rahmen der Lord Garbage Tournee.
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