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Altersloser Workaholic
Altersloser Workaholic
Die Dinge entwickeln sich gut, Boa hat immer noch eine recht große loyale Anhängerschar, trotz seiner asthetischen Gradlinigkeit und seiner beharrlichen Verweigerung gegenüber der heutigen medialen Lach- und Schiessgesellschaft. Vielleicht aber auch gerade deswegen, genaues weiss man nicht... aber trotzdem: nach 15 Jahren ist es an der Zeit, das alte Boa-Konzept zu überdenken. "Ich komme jetzt in ein Alter, wo ich mich entscheiden muss" sagt Phillip. "Will ich weitermachen wie alle – als Abbild meiner selbst oder lieber ganz aufhören?" Diese Last wird ihm anscheinend immer schwerer, in Interviews ist diese Fragestellung seinerseits immer des öfteren zu hören. Aber noch siegt der Mut und die Kreativität um weiterhin neue Wege zu gehen.
Für das ebenso schlichte wie hochgesteckte (wie geglückte) Ziel zusammen eine geile Platte zu machen, wurde das ohnehin offene Konzept des Voodooclubs komplett erneuert. Boa bleibt, was er schon immer war, Komponist und Texter. Das Neue ist, dass Phillip nach wie vor die Songs schreibt, sie aber von anderen interpretieren lässt. Parallel zu seiner Rückkehr in den Kontext der neuen Pop-Avantgarde dieses Landes hat Boa auch das Malteser Exil beendet und den rauen Charme seiner alten Ruhrgebiets-Heimat wiederentdeckt. The Red – das Rote – darf als Titel auch politisch gelesen werden. Dabei geht es inhaltlich – ähnlich Abstrakt – nach wie vor um die Menschen. Die Widersprüche des Lebens nicht aufzulösen, sondern musikalisch wie textlich produktiv zu machen, hat Phillip Boa nicht verlernt – im Gegenteil. Welcome back, neuer alter Boa!
Es ist vollbracht - The Red kommt! Und wieder hat es Phillip Boa einmal mehr geschafft, Fans und Kritiker gleichermassen zu verwundern und zu überraschen. Wer dachte, mit dem letzten Album My private war sei aus Boa endgültig ein reiner Popkünstler geworden, wird von den neuen Stücken eines Besseren belehrt. Mit The Red erscheint am 06. August 2001 mittlerweile das 11. Studioalbum von Phillip Boa and the Voodooclub.
Nach diversen Ausflügen in gemäßigte Pop-Welten findet Phillip Boa zu seinen eigenen musikalischen Wurzeln zurück und lässt, ohne sich selbst zu kopieren, mit 14 neuen Songs den alten Geist des Voodooclubs wieder aufleben.
Schon in früheren Zeiten hatte Phillip immer wieder kreative Köpfe für die Umsetzung seiner musikalischen Vorstellungen gewinnen können. Daher ist es auch nicht verwunderlich, wenn im Zusammenhang mit The Red
viele bekannte, aber auch neue Namen auftauchen. Boas geliebte ("irgendwann werde ich eine Triple-CD mit allen 70 Remixen veröffentlichen") Praxis seine Stücke zur kompletten Neubearbeitung freizugeben, hat er diesmal hauptsächlich in Bandformate getragen. Erste Resultate solcher Kooperationen lieferte bereits die Vorab-Single Eugene
, von deren Original sich Künstler wie Kreidler, The Notwist, Stella oder Turner inspirieren ließen und so vielseitge Interpretationen des Songs schufen. Größten Anteil an der Vollendung der neuen Stücke hatte jedoch O.L.A.F. OPAL als Produzent, der mit seiner außergewöhnlichen Arbeitsweise dem Werk einen besonderen Charakter gab.
Auch war es OPAL, der die Verbindungen zu Tobias Kuhn (Gitarrist bei Miles) und Roland Peil herstellte und somit die optimale Besetzung von Gitarre, Bass und Schlagzeug sicherte. Für die elektronischen Parts in einigen Liedern auf dem Album zeichneten sich Console und Schneider TM verantwortlich, welche mit eigenen Ideen diese ergänzten und erweiterten, ohne sie monoton oder gar langweilig klingen zu lassen. Als neue Gesangspartnerin ist auf dem Album die Britin Julia Chard zu hören, die auch schon seit einiger Zeit zur Live Band gehört.
Eine Ausnahmerolle bei den Gästen, zumindest das Genre betreffend, nimmt die Schriftstellerin Sibylle Berg auf The Red ein. Auf Anfrage Phillips schrieb sie einen deutschen Text zu Speed , mit dem sich auch in diesem Song zu hören ist. Letztendlich war es jedoch Boa selbst, der mit seinen Gedanken und Visionen The Red zu einem seiner abstraktesten, kompromisslosesten und doch besten Alben gemacht hat. Als Doppel-Singleauskopplung erscheint vorab am 02. Juli 2001 als Appetizzer zum neuen Album das Stück Eugene , Maxi-CD 1 beinhaltet neben weiteren Remixen seit langem auch wieder eine Coverversion (Leonard Cohens First we take Manhattan ), Maxi-CD 2 beherbergt mit dem Depeche Mode Song Enjoy the silence einen weiteren exklusiven Coversong. Außerdem finden sich auf den Maxis jeweils 3 verschiedene Video Versionen von Eugene, was sicherlich auch eine Außnahme und Seltenheit in der heutigen Musiklandschaft darstellt.
Ebenfalls eine Neuerung brachte das Layout und die Covergestaltung mit sich. Waren bisher alle Alben und Singles mit schicken, extravaganten Portraitaufnahmen versehen, erscheint das neue Album und die Singles in einer Art abstrakter Kunstform. Die verwendeten Bilder bzw. Kunstgemälde zeigen Werke vom dem britischen Künstler und Maler Victor Pasmore (1908-1998).
Pasmores Werke, die sich anfänglich der gegenständlichen Malerei (Stilleben, Akte, Landschaften) widmeten, begannen später immer mehr sich zu abstrakten Formen zu entwickeln und erweiterten sich in der Folgezeit zu Konstruktionen mit Dreidimensionalität. Die auf den Singles zu Eugene
verwendeten Gemälde stammen von Pasmores Sohn John, der sich ebenfalls der Malerei verschrieben hat. Weitere Informationen zu Victor Pasmore gibt es unter www.tate.org.uk
Als weitere Singles werden zu Promotionzwecken Black Tiger
(09/01) und When I’m bored
(12/01) ausgekoppelt. Die Singles gelangen aber nicht in den regulären Verkauf, sondern werden nur an einschlägige Radiosender und Medienvertreter verschickt
Die The Red Herbst Tournee
führt vom 18.10. bis 26.10.2001 durch insgesamt 8 Konzertstädte. Julia Chord kann aus persönlichen, familären Gründen nicht dabei sein, dafür springt für sie Alison Galea von den Beangrowers als Sängerin auf der Tournee ein.

