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Studio Experimente
Studio Experimente
Das Studio war für Boa jahrelang die Keimzelle der Kreativität. Soviele Ideen sind dort entstanden, daß man sie gar nicht mehr aufzählen kann. "Auf viele verrückte Sachen sind wir relativ spontan und durch Ausprobieren gekommen" hat E.Roc einmal gesagt.
Bei This Is Michael
hat er zum Beispiel bei sich zu Hause durch alte Sportplatzlautsprecher aus Blech gesungen. Manchmal hat er einfach in der Küche statt im Studio gesungen, weil dort der Klang ganz anders ist. They Paint The Silence
haben wir mit pendelnden Mikros aufgenommen, damit da ein etwas 'spaciger' Sound entsteht. Und speziell mit dem Schlagzeug haben wir schon die unglaublichsten Sachen gemacht: Aufnahmen im Treppenhaus oder Getrommel auf Voodoos altem Auto. Einmal haben wir einen Haufen Schrott und Glasscherben aus dem Fenster im ersten Stock fallengelassen und den Aufprall aufgenommen und verwendet. Irgendwann hat mal jemand mitten im Hof Geige gespielt und der Rabe hat einmal im Flur eine Plastikgießkanne gefunden und darauf trompetet. Das Gitarren-Solo von Ted Chau in Laughing Moon
haben wir in einem kellerartigen Kachelraum aufgenommen, wo allerdings die Tür zum Hof offenstand. Und in dem Moment fuhr ein Lastwagen vor und das Zischen davon ist auch auf der Platte zu hören.
Wir haben auch viel mit elektronischen Klangeffekten gearbeitet, aber nicht mit gekauften Disketten, sondern mit selbstgebastelten Sounds. So haben wir zum Beispiel das Knarren der Bürotür zu einer Tonleiter umgewandelt oder diverse andere Geräusche abgesampelt und verwendet. Boa experimentiert selbst auch sehr gerne. Er nimmt zum Beispiel manchmal seine Gitarre und spielt einfach drauf los. Wir haben das dann zwar aufgenommen, dachten aber alle 'oh nein, was macht er jetzt wieder'. Nachher stellten wir fest, daß es genau das Tüpfelchen auf dem 'i' ist, was einem Song noch gefehlt hatte. Er hat da ein ganz sicheres Gefühl für."
"Das sind Ideen, die man hat, wenn man ein bißchen fanatisch ist" beschreibt Phillip Boa die Tüfteleien "und wenn man das, was man macht, wirklich liebt. Mein Vorteil ist, daß ich kein genialer versierter Musiker bin, aber mit Musikern arbeite, die gut sind. Und ich dirigiere die nach meinen musikalischen Vorstellungen. Die meisten ausgebildeten Musiker haben nicht soviele Ideen, weil ihr Kopf zu sehr mit konditioniertem Wissen gefüllt ist. Aber mit Provokationen, Auseinandersetzungen oder über ganz normalen Kontakt kann ich denen sehr gute Sachen entlocken. Ich versuche nicht als Musiker zu denken, sondern als Fan."
