Philister
Im Grunde genommen ist Philister ein richtiges Konzept-Album. Eine Platte, die in erster Linie den Teufel, den Tod und das, was danach kommt zum Thema hat. Texte voll schwarzem Humor und nachdenklicher Melancholie, und als LP-Titel den Namen eines bösen, die anderen Menschen unterdrückenden Volkes aus der Bibel. Das Philister-Thema wird schon auf dem Cover verdeutlicht, dort würfeln auf dem Gemälde der Düsseldorfer Malerin Ilse Lippek die Teufel darum, was nach dem Tode mit den Menschen geschieht, ob sie ein Tier oder etwas anderes werden. Und über all dem herrscht Diana, die Königin des Bösen, welche die Menschen bestraft.
In den Anfängen schien man sich noch nicht ganz einig, wie denn der Bandname nun richtig buchstabiert wird, und so kommt es, daß es von Philister zwei verschiedene Auflagen gibt, einmal von "Phillip Boa & The Voodoo-Club" und zum anderen von "Philip Boa & The Voodooclub". Aber auch heute noch macht Boa sich immer wieder gerne einen Spaß daraus, den Namen absichtlich falsch oder besser unterschiedlich zu schreiben. Sei es nun, daß er Phillip plötzlich nur mit einem "L", oder aber mit zwei "P" buchstabiert, oder ob es um die Frage geht, schreibt sich der Voodooclub nun getrennt, zusammen oder mit Bindestrich? Genaugenommen ist ja auch "Phillip" als europäischer Name nicht korrekt buchstabiert, denn so wird er lediglich in Amerika geschrieben.
Sicher ist jedenfalls, daß Philister zu den wichtigsten Platten dieser Zeit zählt, ein Beitrag zur Einläutung einer neuen Musikepoche und eines neuen musikalischen Bewußtseins nach dem jähen Ende der Neuen Deutschen Welle. Eine Platte, die ein wichtiger Bestandteil der aufkommenden sogenannten "Independent-Szene" war, sich zwei Monate auf Platz 1 der deutschen Independent-Charts hielt und innerhalb eines halben Jahres fast fünfstellige Verkaufszahlen aufweisen konnte - für Indie-Verhältnisse eine geradezu unglaubliche Zahl.
Von diesem im Mai 1985 veröffentlichten ersten Phillip Boa-Album wurden Ostrich (Love Is Not The Same) (5/85), Diana (10/85), sowie Skull (3/86) ausgekoppelt, jeweils nur als Single-Auflage. Alle drei Stücke fanden großen Anklang in England und heimsten in den britischen Musikzeitungen "New Musical Express", "Melody Maker" und "Sounds" mehrere "Single Of The Week"-Titel ein - Skull schaffte es sogar, gleichzeitig in allen drei Magazinen die begehrte Auszeichnung zu erhalten. Ein beachtlicher Erfolg, der weder damals noch heute von einer anderen deutschen Band in dieser Form erreicht werden konnte.

