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Historia
Historia
Constrictor war in den letzten Jahren immer mehr geschrumpft, zuletzt war es nur noch eine Kontaktadresse für Informationen oder alte Platten von Phillip Boa & The Voodooclub. Diesen Bereich hat, da die Band immer größer und die Arbeit immer mehr geworden war, zu Beginn des Jahres 1993 die Konzert- und Merchandising-Agentur Goldrush übernommen, sie gründeten auch den einzigen authorisierten Boa-Fanclub. Der gesamte Label-Bereich von Constrictor wurde Ende 1991 an Boas Freund Matthias Gülicher abgegeben und unter dem Namen Historia weitergeführt. Doch die Zeiten haben sich geändert, der Independent-Markt ist kaputt: das von Phillip zur Verfügung gestellte Startkapital von 25.000 DM war nur kurze Zeit später verbraucht und Historia war nach acht Monaten pleite. "Phillip hing immer sehr an Constrictor" erzählt Pia. "Deswegen hat es ihm auch so weh getan, daß es damit immer weiter bergab ging. Constrictor war eine Art Hobby von ihm, und er hat da auch sehr viel Geld hineingesteckt.
Aber wir hatten in den letzten Jahren wegen unserer Band einfach keine Zeit mehr - dabei war ein wichtiger Gedanke unseres Wechsels zu Polydor damals ja gewesen, daß die Zukunft von Constrictor dann gesichert ist. Aber dann schuldete uns unsere englische Partnerfirma 20.000 Mark und Constrictor war somit praktisch bankrott. Trotzdem hat Phillip immer wieder versucht, Constrictor zu retten, und nachdem es jetzt auch mit Historia nicht so geklappt hat wie geplant, wird es das Label wohl endgültig nicht mehr geben."
"Indie-Labels sind heutzutage größtenteils nur noch Abladeplatz für den ganzen Müll, den die Majors nicht wollen. Die positive Seite ist natürlich, daß die Indies eher die Möglichkeit haben, eigenständige Bands mit ungewöhnlicherer Musik zu veröffentlichen." Phillip Boa will und kann Constrictor jedoch nicht mehr reparieren, dennoch träumt er noch heute von einem Label nach seinen Vorstellungen: "Wenn ich mal ganz, ganz viel Geld haben sollte, mache ich eine richtige Plattenfirma damit auf."
Es wäre sicherlich nicht schwer gewesen, andere Geldquellen anzuzapfen, die man auch für Constrictor hätte nutzen können. Doch das Thema Sponsoring zum Beispiel ist für Phillip Boa ein rotes Tuch. "Daß wir uns nicht sponsorn lassen, ist mittlerweile völlig unüblich und es gibt nur wenige Bands, U2 oder Cure zum Beispiel, die das auch nicht mitmachen. Ich sehe darin eine große Gefahr, denn in zehn, fünfzehn Jahren haben die Sponsoren, die eigentlich nichts mit der Musik zu tun haben, die Musiker und Plattenfirmen im Griff, weil sie eben das Geld bezahlen. Musik ist dann nur noch Teil einer Marketing-Kampagne und nichts Eigenes mehr. Darauf will ich mich nicht einlassen und ich finde auch andere Musiker sollten sich nicht kaufen lassen. Gerade heute ist Musik - oder auch Theater, oder Kunst überhaupt - eine der letzten Hoffnungen."
Heute ist Constrictor nur noch als Verlag tätig, wenn auch nur in Kooperation mit dem BMG Ufa-Verlag, an den Phillip Boa Constrictor vor einigen Jahren verkauft hat. Dennoch konnten die letzten Veröffentlichungen alle wieder mit dem eigenen Publishing-Logo versehen werden.

