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Die Anfänge


Die Anfänge

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Abermals war Thomas Hermann eine entscheidende Person, die Phillip und Pia schließlich veranlaßte, eine erste eigene Maxi aufzunehmen. Thomas Hermann hatte in der Zwischenzeit sein eigenes kleines Label Ja!-Musik gegründet, auf welchem er damals unter anderem jene Band namens Clox veröffentlichte, deren zu der Zeit entstandene EP "Probably One Of The Longest LP-Titles In The World" übrigens von Phillip Boa produziert wurde. Als die ersten Cassetten-Aufnahmen von Phillip Boa und Pia Lund nun an die Ohren von Thomas Hermann drangen, beschloß er, diese zu veröffentlichen - im Frühling 1984 war das Projekt Phillip Boa & The Voodooclub somit zum Leben erweckt. Man suchte zur Aufnahme der ersten Maxi zusätzliche Musiker und stieß dabei auf einen sich Voodoo nennenden Percussionisten, den Phillip an der Uni kennengelernt hatte und der erzählte, er habe von seinem eineinhalbjährigen Haiti-Aufenthalt fremdartige Erfahrungen und Einflüsse mitgebracht.

 

Auf Haiti habe ich gelernt, was passiert, wenn zehn Leute über einen längeren Zeitraum immer denselben Rhythmus trommeln. Es kann damit eine Art hypnotische Wirkung erzielt werden und das hat mit normalem Schlagzeug nichts mehr zu tun. Und als Phillip und Pia ihre ersten Cassetten-Aufnahmen machten, suchten sie einen Schlagzeuger, aber eben keinen mit dem normalen Drumkit. Phillip wußte nur, es mußte irgendwie abgefahren klingen, anders als alle anderen Beats und das haben wir dann einfach ausprobiert."
Während man ganz zu Beginn noch mit einer Rhythmusmaschine gearbeitet hatte, war nun dieser eigenwillige und charakteristische Voodooclub-Sound gefunden, welcher einen Teil der Originalität ausmachte, wegen der Phillip Boa & The Voodooclub von Anfang an das Interesse von Journalisten und offenen Musikhörern entgegengebacht wurde. Sprich: die im Mai 1984 veröffentlichte Maxi Most Boring World wurde ein unerwarteter Erfolg und binnen weniger Wochen war die erste Auflage von fünfhundert Stück restlos ausverkauft.
Man war also auf dem richtigen Wege. Und um dies konsequent fortführen zu können, wurde die Band erweitert - um einen "richtigen" Schlagzeuger, einen, der zusammen mit The Voodoo diese kraftvolle Rhythmusgruppe bildete.
"Das mit den zwei Schlagzeugern war eine Idee, etwas zu machen, was völlig unüblich ist. Außerdem hatten wir auf dieser ersten Platte unheimlich viel verschiedenes Schlagzeug, viele verschiedene Rhythmiken durcheinander und das wäre für einen einzelnen Drummer niemals live reproduzierbar gewesen."
Der Neue, ein DJ aus Hagen, den man später "Der Rabe" getauft hat, erinnert sich: "Ein Freund von mir, der Baß spielte, sollte in der allerersten Fomation mitspielen. Da er kein Auto hatte, habe ich ihn zum Vorspielen hingefahren und bin bei der Probe dabei geblieben. Da war ein Schlagzeuger, der war zwar toll gestylt, mit hochgestellten, schwarzen Haaren und schwarzer Kluft, aber der kriegte das, was auf der Platte gespielt war, einfach nicht hin. Dann habe ich ihm das gezeigt - und einige Tage später kam ein Anruf, ob ich nicht in der Band mitspielen wolle; und da habe ich zugesagt."
Gemeinsam mit dem Raben wurde sodann eine Neuauflage der Most Boring World in Höhe von dreihundert Stück produziert, die inklusive eines Remixes von Dance The Candican in einem roten, anstelle des alten grünen Covers verkauft wurde. Neben den Voodooclub-Mitgliedern sind auf dieser legendären EP als Gäste auch Martin Coesfeld und Thomas Hermann zu hören, wobei der Rabe überrascht feststellte, "daß ich Thomas Hermann schon kannte, denn er war Mathe-Lehrer an der Schule, die ich besuchte".
Insgesamt klingt Most Boring World noch sehr unausgereift und schräg, lediglich ein Song, All I Hate Is You hat sich über zehn Jahre im Live-Programm halten können. Auf der Platte dominieren die harten Drums in Verbindung mit der verzerrten und kratzigen Gitarre, untermalt durch den teilweise zweistimmigen, teilweise sich abwechselnden, noch sehr ungelenken Gesang. Hinzu kommt, daß diese Band sich, für damalige Zeiten unverschämterweise anmaß, Englisch zu singen und dabei trotzdem nicht Englisch oder Amerikanisch klang.
Phillip erinnert sich: "Wir hatten das eigentlich nie als Platte geplant. Das Ganze war einfach ein Versuch; ich hatte ja zum Beispiel vorher auch nie gesungen. Damals hatte die Platte einen gewissen Charme und wurde überall gut besprochen und als wäre es vom Schicksel vorprogrammiert, ging es dann los mit den Reaktionen.
Mitte der Achtziger war es ja nicht unbedingt angesagt, Englisch zu singen, aber das interessierte uns gar nicht. Ich bin da immer viel schneller als alle anderen - in den Neunzigern singen doch fast alle Bands wieder Englisch. Aber ich fühle mich eh nicht als Deutscher, sondern als Europäer und deshalb war es von vornherein klar, daß wir Englisch singen. Ich habe auch immer an Europa geglaubt und Englisch ist die europäische Sprache. Unsere Musik war auch schon immer etwas obskur; ich wollte so klingen, wie keine andere Band. Es war immer meine Vision, Musik zu machen, die eigen ist. Ich wußte von Anfang an, daß das auch Leuten in Japan oder Australien gefallen muß, die auf ausgefallenere Musik stehen."
Nach den anfänglichen Erfolgen war klar, man würde weiter an dieser Musik arbeiten; Songs hatte man bereits, u.a. einen namens Diana , welcher einen Grundstein des kommenden ersten Longplayers bildete.

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