Container Love
Von einem ungewöhnlichen Deal mit der Plattenfirma konnte man kurz vor der Veröffentlichung der neuen Single hören. Sie sollte angeblich, wenn sie in der Hitparade höher als Platz 40 steigt, vom Markt genommen werden. Sie kam zwar nicht ganz so weit, jedoch war es die erste Single von Boa, die sich überhaupt in den Charts plazieren konnte, irgendwo in den Top 75. Das ging für den Meister auch in Ordnung, für eine höhere Plazierung jedoch hätte er sich geschämt, wie er immer wieder beteuerte. Seine Musik sei eben nicht für die Masse gemacht - und wenn es die Masse gut findet, dann müsse er etwas falsch gemacht haben. So verkündete er damals: "Wenn wir mehrere Millionen Platten verkaufen würden, oder plötzlich Nummer Eins der Hitparade wären, stimmt irgendetwas nicht mehr. Soviele Menschen können unsere Musik gar nicht gut finden! Es gibt keine Million Leute in Deutschland, die ein kulturelles Bewußtsein haben."
Heute jedoch sieht er das Ganze etwas differenzierter. Inzwischen will Boa in die Charts, denn "Heute geht es vielmehr darum, die Charts und die Bereitwilligkeit der Leute, alles zu schlucken, was ihnen vorgesetzt wird, zu bekämpfen und das Publikum dazu zu zwingen, seinen verdummten Geschmack zu ändern, wo auch wir einen kleinen Teil Pionierarbeit geleistet haben."
Bereits Anfang der Neunziger hatte ein Großteil der Musikkonsumenten einen viel härteren Musikgeschmack, als einige Jahre zuvor. Bands wie Nirvana standen an der Spitze der Charts, Metallica wurden zu absoluten Superstars. Heute gibt es kaum noch "Musik für die Masse": Techno, Crossover, Country, Triphop, Jazz, Dance - die Musikfans bewegen sich in eigenen Sphären, ohne das ein Stil "hipper" als ein anderer ist.
Container Love ist die wahre Geschichte eines Mannes aus Hagen, der einen Müllcontainer im Hinterhof einer Discothek zu seiner Lebensgefährtin gemacht hatte. Eine traurige Geschichte, die Phillip Boa in seinem Song natürlich ein wenig poetischer vorträgt.
Produzent E.Roc erinnert sich: "Container Love war schon ein komisches Stück: eine von Pias berühmt-berüchtigten Refrain-Melodien, dieser eingängige, aber doch ungewöhnliche Rhythmus und dann diese tolle Geschichte - da wußten wir immer, das wird was. Und als wir einige Tage nach der Veröffentlichung im Studio schon wieder an der neuen LP arbeiteten, klingelte das Telefon, Phillip ging ran, kam zurück und sagte 'das war Tim Renner - wir sind in den Charts!' Von da ab hat die Kapelle noch mal doppelt so gut gespielt!"
Container Love war auch die erste Single aus der ab 1989 immer intensiver gewordenen Arbeit mit Tony Visconti, dem Produzenten aller T.Rex- und zahlreicher David Bowie-Alben - einer lebenden Legende. "Tony kann unheimlich gut mit Phillip umgehen" erzählt Pia "während manch anderer Produzent sich in stundenlange Diskussionen mit Phillip verstrickt und endlos lange über Kleinigkeiten streitet - so daß man nachher überhaupt nicht mehr weiß, was man eigentlich machen wollte. Tony ist einer der ganz wenigen Producer, denen Phillip wirklich vertraut."

