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Constrictor
Constrictor
Was liegt für einen, der sich Boa nennt, näher, als sein neugegründetes Indie-Label nach der Königsschlange Constrictor zu taufen? Mitte 1986 muß es gewesen sein, da Pia Lund und Phillip Boa sich entschlossen, von nun an alles selbst in die Hand zu nehmen, die Platten unter absoluter Eigenregie zu veröffentlichen und zudem noch ein Forum für andere Bands zu bilden.
Zwar trennte man sich somit von Thomas Hermanns Ja!-Musik, machte ihn jedoch gleichzeitig zum Manager der immer erfolgreicher werdenden Band Phillip Boa & The Voodooclub. Über den Hagener Plattenladen Play It Loud kamen viele erste Kontakte zustande, ein gewisser Hansi "Allison" Groß vermittelte Constrictor einige englische Bands, gleichzeitig lernte man Dirk Rudolph und Thomas Zimmermann kennen, die später zusammen das Indie-Label Pastell betrieben, auf welchem zum Beispiel ein Best Of The Membranes-Album erschienen ist und die auch sonst noch heute zum engsten Kreis der Boa-Familie zählen.
Jowe Head, Palookas, Christian Hound und The Membranes waren die ersten, die auf Constrictor veröfentlicht wurden. Es folgten in den kommenden Jahren One Thousand Violins, T.V. Personalities, Talulah Gosh, The Legend!, Inca Babies, Creepers und viele mehr. Zwei heute recht rare Sampler namens Ten Years After The Goldrush (LP-1987) und Gosh (CD-1988) bieten einen guten Überblick über das Constrictor-Programm. Als erstes Boa-Werk wurde im Juni 1986 die No Mad's Land
-Maxi auf Con! veröffentlicht.
Das war teilweise eine wahnsinnige Arbeit, weil wir das in erster Linie zu zweit durchgezogen haben und aber beide gleichzeitig noch studierten" berichtet Pia heute. "Es war aber auch eine gute und erfolgreiche Zeit, weil man die Sachen medienmäßig noch an den Mann bringen konnte. Es war eine sehr schöne Zeit, wir hatten viele Radioeinsätze, weil es damals noch offene Radioleute gab, viele Besprechungen und Berichte in Musikzeitungen, wurden in den Discotheken gespielt... - und davon können Indie-Labels heutzutage wahrscheinlich nur noch träumen." Außerdem war Con! der Zeit auch immer ein wenig voraus, wenn man zum Beispiel bedenkt, daß eine Band wie Nirvana einige Jahre später die Membranes und Vaselines als großen Einfluß angab.
Auch für die Medien galt Constrictor als wichtiges Indie-Label, das von Leuten aus der Szene, die sehr engagiert arbeiteten, gemacht wurde. So bekam man beispielsweise von der Zeitung ME/Sounds eines Tages den Auftrag, die offiziellen Indie-Charts auszuwerten - die Geschichte jedoch, daß man dabei die eigenen Platten kräftig gepusht habe, wurde von Neidern aufgebracht, die Phillip Boa und Constrictor von Anfang an hatten. Erfolg war eben in der Indie-Szene nie gerne gesehen und wenn einer Band soviel Medien-Interesse entgegengebracht wurde, wie es bei Phillip Boa & The Voodooclub der Fall war, sind die nicht weit, die von kalkuliertem Hype sprechen. Im Endeffekt muß jeder zugeben, daß sie Unrecht hatten, denn ein Hype kann sich nicht über fast ein Jahrzehnt halten und immer mehr Publikum hinzugewinnen.
Hinzu kam aber, daß der großmäulige Frontmann des Voodooclubs immer einen Spruch wußte - gegen die Major-Plattenfirmen, gegen die Konkurrenz, gegen Journalisten. Schnell hatte er das Image eines arroganten Arschlochs, mit dem niemand klar kam und der immer für Überraschungen und Skandale gut war. Doch dazu später noch mehr.

