Ausblick in die Zukunft
Boaphenia hatte sich mehrere Wochen in den Top-20 der deutschen Verkaufscharts gehalten und wurde das bis dahin bestverkaufte Werk. Jeder normale Musiker würde in Glücksgefühlen schweben, bei Boa jedoch vergrößerten sich die Zweifel an seiner scheinbar eingleisigen Zukunft. Immer stärker suchte er nach einem Ausweg aus dem "normalen Popmusiker-Leben", hatte tausend Ideen, wußte aber nicht, wo er beginnen sollte. Wichtiger als pünktlich Jahr für Jahr eine Platte abzuliefern war ihm, sich selbst zu verwirklichen und seine verworrene und fantastische Gedankenwelt ausdrücken zu können.
In einem Interview im Jahre 1989 hatte Phillip Boa auf die Frage, was die Neunziger musikalisch bringen werden, geantwortet: "Techno-Verblödung und die kommerzielle Ausschlachtung des Heavy Metal." Bereits 1993 ist beides eingetroffen. "Kurios! Aber es war eigentlich auch abzusehen.
Was in den nächsten Jahren kommt, ist viel schwieriger vorauszusagen, weil es wirklich absolut alles schon gegeben hat. Sämtliche Crossover: Pop mit Klassik gab es, Jazz ist out, Techno ist out, Ambient und Trance sind auch schon nicht mehr der neueste Trend... Was irgendwann übrigbleiben wird, sind gute Songs, Individuen und der Rest ist Muzak - Supermarktblödmusik."
Seine eigene Zukunft sah Boa in diesem Moment so: "Obwohl schon Anfang Dreißig, fühle ich mich jetzt, im März 1993, viel jünger als 1990 zum Beispiel. Boaphenia ist eine ziemlich junge, lebendige Platte. Ich habe Lust, viel zu veröffentlichen in den nächsten drei, vier Jahren. Ich habe die Energie eines Monsters und fühle mich sehr jung. Ab einem gewissen Alter (36? 40?) werde ich dann wohl mehr Experimental, Neo-Klassik, urdeutsche teutonische Krautrockphantasien in der Tradition von Can, aber schon mit den Mitteln des Jahres 2000 machen, vielleicht auch Bands produzieren - und je nachdem wie ich mich dann fühle, ab und zu mal eine normale Boa-Platte (?)."
Aber erstmal kam alles ganz anders als erwartet...


